Willkommen

Aktuelles

Liebe Gartenfreundinnen und Gartenfreunde

Aus der Mitgliederzeitschrift

Editorial Haus & Garten Januar 2021

Wer einmal lügt …

Als vor einigen Wochen der erste Schweinegrippefall in Brandenburg festgestellt wurde, galt das als große Bedrohung der deutschen Schweinemastindustrie, da befürchtet wurde, dass China als Hauptimporteur von deutschem Schweinefleisch einen Importstopp ausrufen könnte. Interessanterweise wird von der Landwirtschaftspolitik aber gebetsmühlenartig behauptet, dass ohne industrialisierte hochtechnisierte (und von Brüssel massiv geförderte) Landwirtschaft die Ernährung der deutschen Bevölkerung nicht sichergestellt werden könnte – anscheinend müssen wohl Millionen von Deutschen in China leben …

Ein Anruf bei der Mühle meines Vertrauens und Antwort auf meine Anfrage: „Nein, Demeter-Dinkelmehl haben wir nicht mehr.“ Frage meinerseits: „War die Ernte so schlecht?“ Antwort: „Die Erntemenge war etwas geringer als sonst, die Ursache ist aber die hohe Nachfrage mittlerweile auch der Discounter.“

Dessen ungeachtet werden von „einflussreichen Kreisen“ die Bemühungen um einen höheren Anteil an biologischer Landwirtschaft immer wieder mit der Behauptung zurückgewiesen, dass die Nachfrage nach Bio-Produkten für einen weiteren Ausbau zu gering wäre …

Man braucht nicht den Zeigefinger nach Übersee zu strecken, wo absichtliche Falschdarstellungen als „alternative Fakten“ beschönigt und als legales Instrument der Bevölkerungsbeeinflussung – um nicht „Volksverdummung“ zu sagen – betrachtet werden. Auch bei uns hier in Deutschland ist das Wort „Lüge“ mittlerweile im offiziellen Sprachgebrauch geächtet und wird verharmlosend mit „Unwahrheit“ umschrieben.

Auf den Punkt gebracht: Die „schonungslose Wahrheit“ ist nicht mehr gefragt und wer sie dennoch offen ausspricht, wird gemaßregelt.

Als Konsequenz entwickelt sich ein Duckmäusertum, das mittlerweile alle Bereiche von Gesellschaft, Politik, Wirtschaft und Verwaltung durchseucht hat und jede Art von Weiterentwicklung blockiert, denn Probleme werden verschwiegen, verharmlost oder schöngeredet – es wird nur noch herumgedoktert, um möglichst niemandem weh zu tun, damit werden aber wirklich problemgerechte Lösungen verhindert.

Dieser Aspekt wird später nochmals aufgegriffen, hier wieder zurück zum Thema „Lüge“: Nun ist aber die Lüge, d.h. die vorsätzliche, bewusste Täuschung des Gegenübers ein sehr schwerwiegender Vertrauensbruch. Nicht umsonst sagt das alte Sprichwort: „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht.“ Jede Lüge wird einmal offenbar mit der Folge, dass die Glaubwürdigkeit des „Wahrheitskorrektors“ leidet, und dies umso mehr, je schwerwiegender die verbreitete Unwahrheit ist und je mehr „alternativen Fakten“ verbreitet wurden.

Ganz schlimm wird es, wenn diese „geschönten Wahrheiten“ auch noch kritiklos von vielen Menschen übernommen und sich zu Eigen gemacht werden. Das kann schlimmstenfalls bis zu einer Glaubwürdigkeitskrise des ganzen Staatswesens führen, die den Zusammenhalt unserer Gesellschaft massiv bedroht, weil sich in ihrer eigenen (Gedanken-)Welt gefangene Gruppen absolut unversöhnlich gegenüberstehen – siehe die Auswüchse anlässlich der Präsidentenwahl in den USA.

Kennzeichnend für diese „vereinfachte Weltsicht“ ist die Tendenz, alle anderen, die dieses Weltbild nicht teilen, als zu bekämpfende Gegner einzustufen. Das ist natürlich einfacher und bequemer, als auf sie einzugehen oder zuzugehen – das gilt aber auch anders herum.

Neudeutsch wird dieses in den letzten Jahren verstärkt zu beobachtende Phänomen, Menschen (die es wagen, eine von der „breiten Masse“ abweichende Meinung zu haben oder mit kritischen Fragen aufzufallen) einfach in eine Schublade zu stecken, anstatt sich mit ihnen auseinanderzusetzen, „Framing“ genannt – vom englischen frame = „Rahmen.“ Und steht der „Abweichler“ dann schön sichtbar im Rahmen, wird er mit faulen Tomaten beworfen – wie im Mittelalter, als Übeltäter öffentlich an den Pranger gestellt wurden.

Es ist eben viel bequemer, jemanden, dessen Sichtweise von der eigenen abweicht, mit einem herabwürdigenden „Umhängeschild“ moralisch kaltzustellen, als sich mit dessen Gedanken auseinanderzusetzen und seinen eigenen Standpunkt kritisch zu hinterfragen mit der Gefahr, dass dieser zu wackeln beginnt – Unglaubwürdigmachen des Gegners als Tarnung der eigenen Denkfaulheit oder gar Denkunwilligkeit.

Positive Veränderung setzt stets Konfrontation, Unzufriedenheit mit dem Bestehenden, Etablierten voraus – und natürlich eine möglichst breite Informationsbasis, aus der sich heraus neue Gedanken entwickeln können. Und die Veränderungsprozesse, die eigentlich schon überfällig sind, wenn unsere Art auf der Erde überleben soll, erfordern das Einbeziehen möglichst aller Menschen – und damit auch deren umfassende Informationen und offene, nicht von Interessengruppen gesteuerte, sondern zielgerichtete Diskussionen auf möglichst breiter gesellschaftlicher Basis.

Die derzeit von der Politik betriebene „Zwangsbeglückung von oben“ führt in die Sackgasse und zu immer höherer Unzufriedenheit mit dem „Vater Staat“, dessen Aufgabe es eigentlich „nur“ sein sollte, das „Spielfeld“ zu schaffen, auf dem seine Bürger ihren Fähigkeiten entsprechend in der Gesellschaft ihre Rolle ausfüllen können.

Leider schlägt dieser allgemeine Verdruss über die „Lage der Nation“ in den letzten Monaten massiv auch auf unsere Vereine durch und beschert uns einen fast exponentiellen Anstieg an meist völlig sinnlosen Auseinandersetzungen. Dabei wäre der Garten doch genau die Ruhezone, die einen wieder zu sich selbst finden lässt, einen „erdet“ und den Blick auf das wirkliche Leben lenkt – das stille Werden und Vergehen im steten Kreislauf der Natur, deren Teil auch wir sind: Gelassen im ruhigen Fluss der Zeit, aber im richtigen Augenblick bereit, das zu tun, was nötig ist.

Diese achtsame Gelassenheit wünsche ich uns allen für die kommenden Wochen und Monate!

Harald Schäfer
Landesfachberater

Mitgliederzeitschrift „Haus und Garten“

RECHTSBERATUNG

Rechtsanwalt Ralf Bernd Herden berät unsere Mitgliedsvereine bei Rechtsfragen.